| Coladosen-Spezial |
| Meine Erinnerungen an die Baureihe 485 der Berliner S-Bahn |
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Natürlich geht es nicht um die allseits bekannten Blechdosen mit dem koffeinhaltigen Getränk drinnen, sondern um die Fahrzeuge der Baureihe 485 der Berliner-S-Bahn. Warum diese Wagen den Namen "Coladose" verpasst bekamen, erschließt sich beim Anblick der Serienfahrzeuge, die das Herstellerwerk in einem rot/grauen Farbkleid verlassen haben. Der Prototyp und auch die Nullserie hatten diese Farbgebung allerdings nicht, sodaß der genannte Name erst mit der Serienlieferung aufkam.
Ich kenne die Baureihe 485, zu DR-Zeiten als Baureihe 270 bezeichnet, von Anfang an. Ob meine erste Mitfahrt im Prototypen oder in einem Nullserien-Zug |
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| ▲ Das älteste Bild dieser Serie entstand am 8. Dezember 2003 und zeigt einen Vollzug in der Anfahrt auf das Ostkreuz. Vom dortigen Bahnsteig hatte man seinerzeit einen völlig unverbauten Blick auf die nördlichen Gleisanlagen der Ringbahn. An der Front und an der Kupplung des Zuges fällt das bunte Sammelsurium von gelben und grünen Punkten auf, das wahrscheinlich sicherstellen soll, daß nur Viertelzüge mit dem gleichen technischen Stand miteinander gekuppelt werden. Weiterhin fällt auf den zweiten Blick auf, daß der hintere Halbzug bereits die Traditionsfarben trägt. Den Spitznamen "Coladose" durfte er trotzdem behalten, bis ans Ende seiner Tage ... |
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| ▲ LEW-Triebfahrzeuge unter sich, gesehen im Berliner Hauptbahnhof am 22. Juni 2007. Beide sind in den 80er Jahren konstruiert worden, vom Baujahr her jedoch Kinder der 90er. Anno 2023 wird der RE 1 von der ODEG betrieben. Die S 9 fährt wieder auf ihrem angestammten Weg, nachdem die Südringkurve am Ostkreuz komplett erneuert wurde. Die Coladosen sucht man heute hier vergebens, die Linie wird seit langem mit der Baureihe 481/482 gefahren. Das Ambiente des Bahnhofs hat sich kaum verändert. Die mechanische Fahrsperre, die den S-Bahn-Zug hier unbehelligt seiner Wege ziehen lässt, ist mittlerweile ein Opfer der Installation eines neuen Zugsicherungssystems geworden. An der Giebelseite der Halle prangt hier noch die Bombardier-Reklame, am linken Bildrand erkennbar. Heute ist an gleicher Stelle das Logo der Firma Alstom zu sehen, welche die erstgenannte Firma mittlerweile übernommen hat. Damit schließt sich der Kreis der Übernahmen des Herstellers unserer beiden Protagonisten: LEW > AEG > ADtranz > Bombardier > Alstom. |
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| ▲ Am selben Tag, fünf Stationen weiter östlich: Im Ostbahnhof steht eine halb-und-halb-Garnitur aus Traditionsfarben und Cola-Livree, vorne 485 091. Die Nummern der Fahrzeuge habe ich seinerzeit nicht notiert. Auf diesem Foto konnte ich sie mit Mühe entziffern, auf den meisten anderen Fotos ist die Nummer nicht klar genug erkennbar. Die 485er waren seinerzeit auf der S 5 nur auf dem kurzen HVZ-Verstärker unterwegs, den Langlauf nach Strausberg hatten die 481/482er für sich. |
| Die folgenden beiden Bilder sind keine fotografischen Meisterwerke, aber ich zeige sie trotzdem. Sie dokumentieren ganz hervorragend die Vielfalt der Farbgebungen der S-Bahn in den 2000er Jahren. Dies betraf die Baureihen 481/482 und 485. Letztendlich ist es immer wieder zurück zu den Traditionsfarben gegangen. Bis .... ja bis Anfang der 2020er, als die neue Baureihe 483/484 aufkreuzte. Nach ihr haben sich jetzt alle anderen zu richten, was die Farbe angeht. Außer die "Toaster" der BR 480, die dürfen ihre traditionelle Farbe sicher bis an ihr Lebensende behalten. |
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| ▲ Immernoch am 22. Juni 2007 am Ostbahnhof, diesmal im westlichen Vorfeld, zeigen sich Fahrzeuge der Baureihen 481/482 und 485 sowohl in ihren ursprünglichen Farben als auch in den Traditionsfarben. Das zeigt, daß die Umlackierung beider Baureihen etwa zur selben Zeit stattgefunden hat. Der 481 ganz rechts trägt neben seiner Originalfarbe auch noch Werbebanner einer altbekannten Firma, die schon sehr lange auf S-Bahn-Zügen wirbt. Generell ist Werbung auf den Wagen eher eine Randerscheinung .... Gott sei Dank. Zum streifigen Aussehen der Fernsehturmkugel musste ich erst das Internet befragen. Die komplette Außenhaut der Kugel wurde damals gereinigt. |
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| ▲ Genau drei Monate später, am 22. September 2007, erstrahlt nicht nur die frisch polierte Fernsehturmkugel in der Sonne, sondern auch diese bunte 485er-Garnitur. Zwei gemischte Halbzüge zusammen, wobei sich die originalen Coladosen ins Gesicht schauen dürfen. Diese Aussicht bietet sich vom östlichen Ende des mittleren Bahnsteigs auf dem Berliner Hauptbahnhof. Es steht aber immer irgendwie ein Mast im Weg rum. |
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| ▲ Am Ostbahnhof habe ich am selben Tag auch noch vorbeigeschaut, weil ich dort eine gute Stelle für Fotos im richtigen Licht wähnte. So war es dann auch. Der verfügbare sonnenbeschienene und hindernisfreie Platz reichte allerdings nicht aus, um einen ganzen Zug darin unterzubringen. So mußte dieser Zug seine hintere coladosenfarbene Hälfte in der Halle verstecken. |
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Es erfolgt ein Zeitsprung. Im Oktober 2013 bin ich von Köln nach Berlin gezogen und damit quasi wieder in die alte Heimat. Von da an hatte ich nun jeden Tag die Gelegenheit, die Berliner S-Bahn zu fotografieren. Anfangs habe ich das auch reichlich ausgenutzt, galt es doch einige Dinge zu dokumentieren, die zeitnah verschwinden oder sich ändern sollten. Die zu diesem Zeitpunkt einheitliche Farbe des Wagenparks war es nicht, die blieb die nächsten Jahre erstmal unverändert. |
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| ▲ Der S-Bahnhof Schöneweide lag unweit von meiner damaligen Wohnung am Sterndamm und sollte sich sehr zeitnah drastisch verändern, sprich modernisiert werden. Die Bauarbeiten hatten grad begonnen, es sollten zuerst die Brückenträger über den Sterndamm ersetzt werden. Letztendlich ging alles viel langsamer als geplant. Aber das weiß man vorher nicht - erst jetzt, anno 2023, ist man schlauer in Anbetracht des immernoch nicht fertiggestellten Umbaus. Zumindest sind alle sechs Gleise wieder in Betrieb und auf den erneuerten Bahnsteigen findet sich das historische Mobiliar wieder, selbstverständlich restauriert oder im alten Stil neu gebaut. Die Coladosen blieben bis Mitte 2022 auf der S46 und wurden dann direkt und auf einen Schlag durch die nagelneue Baureihe 483/484 abgelöst. Am 4. Oktober 2013 habe ich diese Szenerie dokumentiert, in der noch nichts auf die bevorstehenden Aktivitäten hinweist. |
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| ▲ Um in der chronologischen Reihenfolge zu bleiben, erfolgt ein Sprung raus ins Grüne, an die Strecke der S 3 nach Erkner. Diese war während des Umbaus des Ostkreuzes für wenige Jahre in der Hand der 485er, als Inselbetrieb zwischen den beiden genannten Bahnhöfen. Das letzte Viertel des hier zu sehenden Zuges gehört zu jenen Fahrzeugen, die nach der S-Bahn-Krise im Jahre 2009 wieder reaktiviert wurden. Anhand des Aufklebers "Wieder flott - Ich bin Verstärkung Nr. 3" an der Front ließe sich das Viertel sicher genau identifizieren. Am 22.10.2013 war das Laub der Bäume schon in der herbstlichen Färbung, die nebenbei auch sehr gut mit den Farben der S-Bahn harmoniert. |
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| ▲ Die letzten Bilder vom alten Zustand in Schöneweide sind am 20. März 2014 entstanden, am nördlichen Ende der S-Bahnsteige. Der heutige neue Bahnsteig reicht nicht mehr bis an das Stellwerksgebäude heran. Die S47, hier noch coladosenbestückt, war Jahre später die Linie, auf der die neue Baureihe 483/484 erstmals zum Einsatz kam. Die S85 wiederum wurde Jahre später zum letzten Refugium der 485er, auf dem Laufweg Grünau - Pankow. |
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| ▲ Bevor ein weiterer Zeitsprung erfolgt, hier die Coladose nochmal in voller Schönheit. |
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In den folgenden Jahren habe ich der S-Bahn wenig dokumentarische Beachtung geschenkt. Im Jahre 2019 habe ich der Ringbahn einen fotografischen Besuch abgestattet, wohl ahnend, daß es dort in nächster Zeit Änderungen geben wird. Die gab es auch, erst an der Farbgebung der eingesetzten Fahrzeuge und dann durch deren Ersatz durch die Baureihe 483/484. Bis dahin waren auf dem südlichen Ring alle vorhandenen Baureihen in ihrer traditionellen Farbe anzutreffen. |
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| ▲ So auch dieser Coladosen-Halbzug auf der S 47 am 4. November 2019. Im Hintergrund ist der Bahnhof Neukölln zu sehen, der Zug wird in Kürze seine Endstation an der Hermannstraße erreichen. Auf dieser kurzen Linie waren in den letzten Jahren alle Baureihen vertreten, seit Januar 2021 sind die 483/484er dort im Einsatz. |
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Ein weiterer, allerdings kleinerer Zeitsprung erfolgt jetzt, und zwar ins Jahr 2022. Die zunehmend verschwindenden Traditionsfarben auf den Wagen der Baureihe 481/482 veranlassten mich zu weiteren fotografischen Aktivitäten, schließlich wollte ich noch lange bevor alle Wagen dieser Baureihe in den neuen Farben erstrahlen, die guten alten Farben ausreichend dokumentieren. Noch war dies ohne großen Aufwand möglich, weil sich die neu lackierten Wagen anfangs fast ausschließlich auf der Ringbahn zeigten und die Stadtbahn und vor allem die Nord-Süd-Bahn noch fest in der Hand der traditionsfarbenen Züge war. Die Coladosen und deren schon absehbares Ende habe ich natürlich nicht aus den Augen verloren. Deswegen habe ich mich im Herbst des genannten Jahres an mehreren Tagen auf dem nordöstlichen Ring sowie an der Bornholmer Straße und am Gesundbrunnen umgesehen. |
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| ▲ Ende September bis Anfang Oktober 2022 tauchte auf der Ringbahn immer wieder ein Umlauf auf, der mit einem 485er bestückt war. Mir ist er in dem genannten Zeitraum mehrfach begegnet, so daß ich mich am 21. September 2022 gezielt auf die Lauer gelegt habe, um den Zug zu "erlegen". Wenn man einen bestimmten Zug einmal gesichtet hat auf der Ringbahn, ist es ein leichtes, das nächste Zusammentreffen zu planen. Eine Runde dauert eine Stunde und so wusste ich genau, wann ich den Zug am Bahnhof Gesundbrunnen in Empfang nehmen kann. |
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| ▲ Einen Tag später, am 22. September 2022 war ich nochmal am "Nordkreuz" unterwegs und habe die Bösebrücke und den Südteil des Bahnhofs Bornholmer Straße als Motiv gewählt. Die Historie des Bahnhofs und erst recht die der Bösebrücke sind bekannt. Das Zusammentreffen der Coladosen fand planmäßig statt, meine ich. Obendrein waren auch die 481/482er auf den Nord-Süd-Linien noch weitgehend in den vertrauten Farben unterwegs. Auf dem westlichen Gleis stand auch noch ein Zug, der kurze Zeit später abgefahren ist. Eine Doppelausfahrt in Richtung Süden war mir allerdings nicht gegönnt. |
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| ▲ Nochmal an der Bornholmer Straße, diesmal die nördliche Seite, am 10.10.2022. Eine halbe Coladose hat die Ausfädelung der S-Bahngleise von Nordbahn und Stettiner Bahn passiert und wird nach dieser schwungvollen Bergauffahrt gleich am Bahnsteig zum stehen kommen. "Verstärkung Nr. 20" führt in diesem Falle. Im Laufe der Jahre ist selbst bei den sanierten Wagen der Lack teilweise sehr ausgeblichen, wie hier gut zu sehen ist. |
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| ▲ Viel besser im Lack steht 485 030, der am selben Tag einen Halbzug nach Grünau anführt, kurz nach dem Halt an der Landsberger Allee. Dieser Wagen, 1990 gebaut, kennt die Straße und die S-Bahn-Station noch unter dem Namen "Leninallee", der bis 1992 Bestand hatte. Ob der im Gebüsch liegende Einkaufswagen seinen kurzen, aber steilen Weg zurück zum Eigentümer gefunden hat, ist nicht überliefert. |
| Über die Abschiedsveranstaltung am 12.11.23 werde ich hier später etwas schreiben. Hier sind fünf externe Links zu Berichten von der Veranstaltung: |
| S-Bahn Berlin 1 S-Bahn Berlin 2 Eisenbahnmagazin "Drehscheibe Online" Bimmelbahn-Forum Berliner Zeitung (Artikel nur noch gegen Bezahlung lesbar) |
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